Autor Thema: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin  (Gelesen 3009 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

ProzessBeobachter

  • Gast
Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« am: 02,Mai,2014, 15:41:15 »
Ich habe am 30.04.2014 im Landgericht Berlin einer Verhandlung als Zuschauer beigewohnt bei der ein Afrikaner aus Nigeria der in Berlin wohnhaft ist als Scammer angeklagt wurde.

ich würde gern über dieses Strafverfahren (auch die kommenden 6 Verhandlungen) hier berichten, da ich glaube, dass in dem Verfahren allgemein interessante Aspekte zu der Scammerszene  transparenter werden.

Ist das erst einmal grundsätzlich möglich?

Offline strolch

  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 112
  • I Love Anti-Scam-NL
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #1 am: 02,Mai,2014, 18:49:43 »
Also, ich fände das sehr interessant!    :-?

Offline Administrator

  • Administrator
  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 286806
  • Geschlecht: Männlich
  • I love Anti-Scam-Forum-NL
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #2 am: 02,Mai,2014, 22:06:22 »
@ ProzessBeobachter

ja das kannst Du gerne machen, musst aber davon ausgehen, dass wir eventuell auch Kleinigkeiten verändern.

Wichtig ist, dass Du hier nur "Fakten" berichtest und keine Mutmaßungen.

Auch achten wir darauf, dass weder Beleidigungen noch rassistische oder andersartig herabwürdigende Äußerungen hier hinterlassen werden.

Denke auch bitte daran, dass auch hier ein Angeklagter solange als unschuldig zu gelten hat, bis er rechtskräftig verurteilt wurde.
« Letzte Änderung: 02,Mai,2014, 22:28:53 von butterflykiss69 »
Erfahrung bedeutet nichts, jeder kann etwas jahrelang falsch machen ohne es zu merken.

Offline Administrator

  • Administrator
  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 286806
  • Geschlecht: Männlich
  • I love Anti-Scam-Forum-NL
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #3 am: 03,Mai,2014, 11:04:45 »
@ ProzessBeobachter!

Auf jeden Fall kannst Du so etwas zum Thema Scam beitragen! Desto mehr Leute das Thema verstehen,

desto mehr sind gewarnt und werden nicht zu potentiellen Opfern! Danke für die Mitarbeit und Deine Mühe!

Grüße Stefan ... ;)
Erfahrung bedeutet nichts, jeder kann etwas jahrelang falsch machen ohne es zu merken.

ProzessBeobachter

  • Gast
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #4 am: 04,Mai,2014, 10:50:50 »

Meine Geschichte beginnt damit, dass ich im November letzten Jahres  davon erfuhr, dass ein Nigerianer aus meinem Kiez  verhaftet worden sei und wohl auch seitdem nicht wieder auftauchte.

Es gingen verschiedene Gerüchte im Kiez um, dass er wegen unrechtmäßig bezogener Sozialleistungen und damit begangenen Betruges verhaftet wurde anderer Tratsch lief wohl auf Prostitution und Drogenhandel hinaus.

Man weiß ja wie schnell durch Tratsch und Klatsch aus einer Mücke ein Elefant werden kann.

Seltsamerweise begegnete mir aber das Thema immer mal wieder. Offenbar brodelt die Gerüchteküche weil er nicht wieder auftauchte.

Dann ging Ende März das Gerücht um, dass er vor Gericht stehen werde, was mich nicht verwunderte, weil ich hörte, dass er vorbestraft sei und eigentlich "auf Bewährung".

Wenigstens erfuhr ich dann durch Zufall durch die eine Terminankündigung  in der Zeitung vom Prozessauftakt im Berliner Landgericht am 30. April 2014.

hier ein Bericht aus der Tagespresse zu dem ersten Verhandlungstag, den ich so bestätigen kann und im Anschluß nur meine eigenen Beobachtungen und Gedanken hinzufüge.
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/love-scamming-betrug-mit-der-liebe---so-werden-frauen-im-internet-abgezockt,10809148,27002554.html


Ich entschloss mich aus Neugier der Verhandlung als Zuhörer beizuwohnen und traute meinen Augen und Ohren nicht.

Der Mann der dort vor Gericht stand hatte in den Monaten enorm abgenommen und was noch verwunderlicher war, er schien auch seine Deutschkenntnisse verloren zu haben.
Selbst einfachste Fragen ließ er sich von einer seltsamen Dolmetscherin, die mehr mit Mimik und Gestik als mit Sprache ausdrückte, ins Englische  übersetzen.

Ich frage mich wie er seinen angeblichen Job als Hausmeister bekommen und ausüben konnte, wenn auch für die einfachste Verständigung einen Dolmetscher benötigen würde.

Wie sich im Verlauf des Prozesstages zeigen sollte, muss es sich hier um eine ausschließlich verteidigungstaktische Strategie handeln, weil er sich, wenn das Gericht ihn mit  seinen Aussagen bei der kriminalpolizeilichen Vernehmung zu konfrontieren versucht, auf die Behauptung zurückzog, nichts von all dem verstanden zu haben was die Polizei von ihm wollte, weil zu den Vernehmungen kein Dolmetscher hinzugezogen wurde.

Eine an dem Tag geladene Zeugin die als Geschädigte von Romance Scam einen hohen fünfstelligen Betrag verloren hatte, erzählte mir nach ihrem Auftritt im Zeugenstand was sie dabei verwunderte.
Sie hatte den Angeklagten eindeutig als den Mann erkannt, dem sie am Tage seiner Verhaftung einen Geldumschlag übergeben hatte, doch bemerkte sie, dass sie sich wunderte, dass dieser kein Deutsch mehr verstand. Sie habe ihn als jemanden kennen gelernt der sich mit ihr problemlos in Deutsch verständigt hatte.

Dass man sich mit dem Angeklagten gut auf Deutsch verständigen kann  wurde dann auch dem Gericht gegenüber von einer weiteren Zeugin erwähnt, die als Angestellte des Bargeldtransferunternehmens  "MoneyGram" den Angeklagten als "Stammkunden" identifizierte. Sie erkannte in dem Mann jemanden, der relativ häufig als Empfänger von Bargeldtransfers in ihrer Filiale auftrat. mehr dazu später.

Im ersten Teil der Verhandlung ging es dem Gericht darum den Angeklagten zu jeder einzelnen ihm zur Last gelegten Taten zu befragen.

Die Strategie des Angeklagten bestand in dieser Phase darin sowenig wie möglich zuzugeben und die meisten Taten zu leugnen (was selbstverständlich auch sein gutes Recht ist)  ;)

Die Richter waren hier redlich bemüht, den Angeklagten dazu zu bringen über die Fälle zu reden. Und immer wenn er zu "plaudern" begann fanden die Richter auch Ansatzpunkte zum Hinterfragen. Dem Anwalt des Beklagten schien es nicht zu gefallen wenn sein Mandant in ganzen ganze Sätzen zu antworten begann, er wandte sich dann zu ihm mit strengen Blick um was dann meist den Redefluss eindämmte bzw. zum versiegen brachte.

In diesem Umfeld ließ das Gericht fast keine Gelegenheit ungenutzt, dem Angeklagten, der sich strategisch in seinen Aussagen darauf zurückzog mit seinen "Geldbotengängen" einer mir imaginär erscheinenden, angeblich in Spanien lebenden Person ausschließlich Gefälligkeiten erwiesen zu haben, Aussagen zu entlocken in denen der Angeklagte indirekt einräumte, sich der Rechtswidrigkeit der von ihm durchgeführten Handlungen bewusst gewesen zu sein.

Im wesentlichen ist hier zu erwähnen, dass der Angeklagte den Vorhalt nicht entkräften konnte, dass der durch ihn gegenüber den Geschädigten praktizierte Einsatz verschiedenster falscher Identitäten, die sogar unter Verwendung speziell hierfür angefertigter falscher oder erschlichener Dokumente (Urkunden) erfolgte, ein deutlicher Beweis für die Kenntnis der Rechtswidrigkeit seiner Handlungen ist.

Die Verwendung dieser gefälschten Identitäten und die Ausfertigung von Dokumenten basierend auf diese Fälschungen sollte meiner Meinung nach auch den Tatvorwurf der Urkundenfälschung rechtfertigen. Der Umstand, das er teilweise einräumt dass ihm auch einige der Dokumente durch seine Kontaktperson zugestellt worden legt nahe, dass selbst diese Taten bandenmäßig begangen wurden.

Ein weiterer deutlicher Hinweis auf ein bandenmäßiges Vorgehen war, dass der Angeklagte in einer Situation in der er sich verbal nicht zügeln konnte darüber zu schwadronieren begann, dass er schließlich mit verschiedensten Personen "zusammen arbeite" - er wollte offenbar mit diesem Satz eigentlich zum Ausdruck bringen, dass er sich nicht erinnern konnte wer genau ihn in einer hinterfragten Situation um was gebeten hatte. Das Gericht hingegen horchte auf - er bezeichnet das was er tat als "Arbeit" ja sogar "Zusammenarbeit" . Der Richter parierte promt mit einer Frage die auf genau darauf abzielte diese "Arbeitsvorgang" näher zu beleuchten.

In dieser Situation kam es zur Sternstunde der Dolmetscherin, die nicht die Frage des Richters übersetzte sondern den Angeklagten erschrocken ansah um ihn dann zu fragen ob er nicht eigentlich "walk" anstatt "work" gesagt hätte. Der Angeklagte schien völlig verwirrt in dem Moment und sie fragte ihn noch zwei mal während sie bei dem Wort "walk" nickte und bei "work" mit dem Kopf schüttelte, während sie den Angeklagten eindringlich ansah. Als dieser dann endlich kapiert zu haben schien und selbst "walk" bestätigte sagte sie, dass sie den Angeklagten im ersten Moment wohl falsch verstanden habe, dass er eigentlich gesagt habe er würde mit unterschiedlichen Leuten spazieren gehen.

Ich konnte mich während der gesamten Verhandlung nicht des Eindrucks erwähren, dass diese Dolmetscherin sich entweder aus Mitleid oder Kalkül parteiisch für den Angeklagten verhielt. Da sie permanent im Zuge ihrer "Übersetzungen" weniger verbal und viel mehr mit vollem Körpereinsatz und erstaunlicher Mimik gegenüber dem Angeklagten agierte hat sie diesen aus meinem Blickwinkel während der gesamten Verhandlung erheblich beeinflusst.

Ein weiterer der wirklich sehr seltenen emotionalen Reaktionen des Angeklagten brachte brachte sinngemäß hervor dass er wortreich beklagte, dass schließlich er es gewesen sei, der das gesamte "Risiko" getragen hätte und die "Anderen" überhaupt kein "Risiko" hatten.

Ich dachte Hallo? Risiko? Welches Risiko, wenn er doch, wie bisher vehement behauptet, davon ausging dass alles was er tat im Übereinstimmung mit Recht und Ordnung war und von welchen "Anderen" redet der Mann.

Ich rechnete mit einer promten Reaktion des Gerichts, auf dieses faktische Eingeständnis der Vorsätzlichkeit seines Handelns und freute mich schon darauf zu erleben wie die Dolmetscherin sich engagieren wird, auch diese Situation zu neutralisieren.

Doch leider erfolgte hierauf keinerlei Reaktion des sonst so wachen und bemühten Richterkollektivs, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass die bereits angekündigte Mittagsunterbrechung der Sitzung kurz bevorstand.

Insgesamt wurden dem Angeklagten bis zur Mittagspause 15 verschiedene Fälle (Taten) vorgehalten mit  denen die Anklage den Tatvorwurf des Betruges nachweisen will.

Der Angeklagte räumte nur einen geringen Teil dieser Taten ein, ohne aber auch hier eine Schuld einzugestehen. Den größten Teil jedoch weist er von sich hat aber auch zu einigen dieser Fälle ihm plausibel erscheinende Erklärungen parat.

Nach der Mittagspause sollte es dann mit der bereits erwähnten Zeugin weiter gehen, die Opfer eines Falles von Romance Scam wurde.

ProzessBeobachter

  • Gast
Re: Berichterstattung Scammer (Monday E.) Prozess Berlin
« Antwort #5 am: 04,Mai,2014, 19:31:21 »
1. Prozesstag 30.04.2014 - nach der Mittagspause

Aufruf der Zeugin die im Bericht der Berliner Zeitung Eva L. genannt wurde

Die Zeugin berichtet ihre Leidensgeschichte, die in einer Zeit im Frühjahr 2013 begann, die für die Zeugin durch schlechte seelische Verfassung auf Grund negative persönliche Erlebnisse gekennzeichnet war.

Im Großen und Ganzen handelt es sich hier um eine der im Internet tausendfach dokumentierten Romance Scam Stories, daher will ich mich nur in solchen Einzelheiten vertiefen, die den konkreten Fall der Zeugin zu charakterisieren bzw. eine Besonderheit darzustellen scheinen.

Die Zeugin wurde in der Zeit vor Ostern 2013  in einer Singlecommunity von einem Betrüger kontaktiert, der sich als Jeffrey Brew ausgab.

Die von diesem Betrüger zur Ausgestaltung seiner falschen Identität missbräuchlich benutzten Bilder sind teilweise hier im Forum zu finden. sie stammen aus der Kollektion eines spanischen Immobilienmaklers namens Arelio Cancio Díaz
https://www.facebook.com/arelio.canciodiaz
https://plus.google.com/100982251309713455315
https://www.blogger.com/profile/15659173249528508293
http://areliocancio.blogspot.de/2011/04/arelio-siempre-esta-disponible-para-sus.html

Fakeprofile die möglicher Weise der selben Quelle entspringen könnten sind in eurem Forum hier zu finden:
http://www.anti-scam-forum.net/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1365338517

Die Täter hatte in diesem Fall einen besondere Vorgehensweise um sich das tiefe Vertrauen der Zeugin zu erschleichen, von der ich zuvor noch nirgends etwas las.

Es wurde behauptet, dass Brew über diverse Kapitalanlagen in Afrika verfügte, die er sich entschloss aufzulösen und das Geld (über 4 Mio €) auf ein Kreditkartenkonto einzuzahlen.
Die Kreditkarte (VisaCard ausgestellt auf Jerrey Brew) wurde als Beweis des Vertrauens in seine zukünftige Frau der Zeugin mit einem Brief via FedEx aus Ghana zugeschickt.

Um die Zeugin von der Geschichte zu überzeugen wurde ihr durch den Brew die Möglichkeit eröffnet mit der Karte und einer übermittelten PIN Geld am Automaten abzuheben, was auch problemlos funktionierte und letzte Zweifel an der Geschichte zerstreute.

Man plante auf Anregung des Brew nach dessen Anreise nach Deutschland gemeinsam ein Haus für sie gemeinsam zu kaufen und die Zeugin hatte bald auch schon ein passendes Objekt gefunden. Um dieses für die beiden zu sichern sollte sie am Besten schon mal eine Anzahlung machen, wofür sie jedoch einen Barkredit bei einer Bank aufnehmen musste.

Als der Kredit auszahlungsreif war, trat plötzlich ein Problem auf, dass Brew mit der Forderung nach unerwarteten Gebühren in Höhe des gesamten Kreditbetrages bezeichnete.
Die Lösung des Problems lag auf der Hand, der aus dem Barkredit stammende Betrag muss zwischenzeitlich zur Begleichung dieser Gebühren eingesetzt werden.

Da es problematisch sei einen so hohen Betrag mit einem Bargeldtransferunternehmen anzuweisen, eröffnete Brew der Zeugin die Möglichkeit, das Geld persönlich einem von ihm beauftragten Kurier zu übergeben. Hierzu wurde sie angewiesen unter Einhaltung von Verschwiegenheit nach Ansbach zu reisen und das Geld dort unter recht konspirativen Umständen einer Frau deren Namen ihr mit "Joy Igwe" benannt wurde zu übergeben.

Die Zeugin bat einen Bekannten sie nach Ansbach zu begleiten ohne diesen jedoch (wie verlangt) in den Reisegrund einzuweihen.

Im Zuge der Anreise wurde die Zeugin von der "Botin" telefonisch Kontaktiert um die genauen Übergabemodalitäten abzustimmen. Letztendlich wurde ein Treff in einem Selbstbedienungsgeschäft (1 € Shop) in Ansbach verabredet.

Zu diesem Treff inklusive Geldübergabe kam es dann auch wie vereinbart, die Zeugin verlangte der "Botin" ab, den Empfang des Betrages zu quittieren wozu sie ihr mangels Schreibpapier ein Buch gab in das die "Botin" eine Quittung schrieb. Dann wollte die Zeugin noch zu ihrer eigenen Sicherheit ein Personaldokument der "Botin" sehen, welche jedoch angeblich kein Dokument dabei hatte. Daraufhin machte sie ein Foto von der Dame.

nachdem der "Brew" den Empfang auch selbst bestätigte, gab es aber bald die nächste Geldforderung, was dann zur Folge hatte, dass die Zeugin ins Zweifeln kam  und einen Anwalt aufsuchte, der ihr zur Anzeige riet und sie dabei unterstützte. Das weitere Geschehen ist in dem Zeitungsbericht ausreichend dargestellt.

Letztendlich kam es dann zum Showdown als die Zeugin nochmals einen größeren Betrag an einen Boten (den Angeklagten) übergeben sollte. Der Angeklagte nahm hierzu Kontakt mit der Zeugin auf und gab sich dabei als "Sanel Sindelar" aus. Selbst einen auf diesen Namen ausgefertigten Ausweis hatte er vorbereitet. Bei der Kontaktaufnahme in direkter Vorbereitung versuchte er den Treffpunkt mehrfach umzudisponieren, ließ sich aber letztendlich auf den von der Zeugin gewünschten Treffpunkt ein. Die gesamte Konversation erfolgte ausschließlich in deutscher Sprache, Beleg dafür dass die Verständigung mit dem Angeklagten problemlos verlief ist, dass er  den Treffpunkt dann auch ohne Verzug aufsuchte.

Der Verteidiger ließ es sich nicht nehmen die Zeugin zu erniedrigen indem er  vorsichtig versuchte mit seiner Frage der Zeugin niedere Motive, in Bezug auf ihre mögliche Spekulation auf einen millionenschweren potentiellen Lebenspartner, zu unterstellen und ihr damit die Schuld für den erlittenen Schaden selbst zuzuweisen.

bis zu diesem Zeitpunk war ich davon ausgegangen, dass der Angeklagte "nur" als Geldbote in Erscheinung getreten sei. Als er jedoch zum Abschluss der Zeugenvernehmung ums Wort bat um sich bei der Zeugin zu entschuldigen und dies mit einem etwas  theatralisch anmutenden Auftritt tat, fragte ich mich wofür er sich eigentlich entschuldigte, seine hier zu Verhandlung kommende Tat war doch eigentlich durch den polizeilichen Zugriff vereitelt und damit Schaden vermieden worden.

Seine empathiegeladene Reuerede hinterließ bei mir den Eindruck, als würde er sich eigentlich für die gesamte Tat gegenüber der Geschädigten verantwortlich fühlen und diese bereuen.






ProzessBeobachter

  • Gast
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #6 am: 04,Mai,2014, 20:56:53 »
erster Prozesstag - zweiter Zeuge

nach der Entlassung von "Eva L." trat ein Postmitarbeiter in den Zeugenstand, der als Schalterangestellter in seiner Filiale auch mit der Abwicklung von Bargeldtransfers von Western Union befasst ist.

Dieser Zeuge erkannte den Angeklagten zweifelsfrei und bezeichnete ihn als eine Art "[ch346]tammkunden" seiner Filiale, der ausschließlich Geldbeträge aus WesternUnion Anweisungen entgegennahm.

Die Frage ihm Fälle bekannt seien, in denen der Angeklagte auch Geld eingezahlt habe verneinte er sicher

offenbar befinden sich in den Gerichtsakten ganze Ordner mit Kopien von WesternUnion Belegen, die die Ermittler offenbar dem Angeklagten zuordnen konnten.

Der Zeuge wurde mehrfach an den Richtertisch gebeten um aus diesen Unterlagen diejenigen zu bezeichnen von denen er selbst bestätigen konnte, dass dieser dem Angeklagten zuzuordnen sind. 


dritte Zeugin
nun trat eine Mitarbeiterin einer Filiale des Geldtransferunternehmens MoneyGram in den Zeugenstand, die den Angeklagten ebenfalls als "Stammkunden" wiedererkannte. Wie auch der vorherige Zeuge konnte sie bestätigen, dass  der Angeklagte regelmäßig Geldbeträge über MoneyGram in Empfang nahm.

Zusätzlich stellte sich heraus, dass der Angeklagte auch mit ihr über das dienstliche hinausgehende Konversationen in Deutsch führte.

Die Zeugin merkte an, dass es sich bei den Absendern des Geldes ausschließlich um Frauen handelte, wobei sie sich erinnere dass speziell der Name einer Frau mehrmals innerhalb kürzerer Zeit in Erscheinung trat.

Weiterhin sagte sie aus, dass der Angeklagte ihr gegenüber erklärte, dass es sich bei den Beträgen um Erlöse aus seinem Autohandel handeln würde.

Explizit nochmals zu den von ihr wahrgenommenen Fähigkeiten des Angeklagten hinsichtlich des Gebrauchs der deutschen Sprache befragt, erklärte die Zeugin dass sie den Eindruck habe, dass dieser die deutsche Sprache genauso gut beherrschen würde wie sie selber. Die Zeugin verwies dabei auf ihren Migrationshintergrund.

Die Zeugin beherrschte die deutsche Sprache insoweit sicher, dass sie auf alle Fragen des Gerichts ohne Nachfrage sicher antworten konnte.

Mit der Entlassung der Zeugin wurde die Sitzung geschlossen und als nächster Verhandlungstermin der 21.05.2014 13:30 genannt.

Schlussfolgerung:
Durch die Einlassungen der beiden letzten Zeugen und die zusammengetragenen Auszahlungsbelege entsteht jetzt der Eindruck, dass der Angeklagte weiter in die Betrugsfälle verwickelt ist wie anfangs anzunehmen war.
 

Insgesamt sind bisher noch weitere 6 Verhandlungstermine in diesem Verfahren angesetzt.


 
Nachtrag

Ich will hier noch anmerken, dass ich nach der Verhandlung zwei Profile des Angeklagten gefunden habe

https://www.facebook.com/mo.edionseri

http://badoo.com/0204503060



vielleicht finden sich ja hierüber weitere Scam-Opfer oder Zeugen, die den Angeklagten auf seinen Profilbildern erkennen und zur weiteren Aufklärung beitragen können.


Wie ich im Gerichtstermin hörte besteht für Geschädigte, sofern sie durch den Angeklagten einen Nachteil erlitten haben, auch die Möglichkeit mittels eines einfachen Antrages im Strafverfahren ihre zivilrechtlichen Forderungen gegenüber dem Angeklagten geltend zu machen. Für Betroffene vielleicht eine reale Chance zumindest einen vollstreckbaren Titel gegen einen Angeklagten zu bekommen.

siehe auch Adhäsionsverfahren
http://de.wikipedia.org/wiki/Adhäsionsverfahren
« Letzte Änderung: 08,Aug,2014, 17:59:30 von admin »

Lydia_2901

  • Gast
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #7 am: 05,Mai,2014, 16:38:42 »
@ ProzessBeobachter

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, sehr interessant zu lesen ....

weiter so  :-?

lg, hope

Offline sternkind

  • Full Member
  • *****
  • Beiträge: 162
  • I Love Anti-Scam-NL
Re: Berichterstattung Scammer Prozess Berlin
« Antwort #8 am: 07,Mai,2014, 11:55:29 »
Ist ja interessant, mal zu lesen, was man im Gericht als Zuschauer erleben kann. Das wird ein sehr langwieriger Prozess werden, denn nachweisen, was diese Leute tun, ist sehr schwer. Man muß als Zeuge die Wahrheit sagen, sonst wird man selber bestraft. Die einzigste Chance ist, Belege vorzuweisen, selbst dann wissen sich die Angeklagten noch herauszureden. Man muss beim Einzahlen den Personalausweis Vorlegen, und somit müßten die Empfänger auch ihren zeigen müssen. Das Geld wird wohl für immer wegsein, aber es ist die einzigste Möglichkeit, vielleicht an die Täter zu kommen. Ich verfolge die Berichte, die hoffentlich noch kommen. Super das einer mal geschrieben hat, wie es bei Gericht vonstatten geht.