Autor Thema: Die Klugen lassen sich betrügen  (Gelesen 2046 mal)

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Offline ddc605

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Die Klugen lassen sich betrügen
« am: 27,Feb,2009, 16:31:19 »
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/computer/226/430977/text/

Durch E-Mail-Betrügereien sind im Jahr 2007 Verluste von 4,3 Milliarden US-Dollar entstanden. Das ergab die neueste Untersuchung der niederländischen Firma Ultrascan, die seit 1996 E-Mail-Betrügereien auf den Grund geht.

Dabei ist der Nigeria-Betrug immer noch die erfolgreichste Masche, obwohl diese Art von Betrügereien schon seit 1970 betrieben wird – erst per Brief, dann per Fax und schließlich per E-Mail. Mit dem Betreff "Geschäftsvorschlag" erreicht die Empfänger ein Schreiben, das sie dazu auffordert, Geld vorzuschießen, um ein Geschäft zu ermöglichen. Mit großen Summen, die sie jedoch genauso wenig erhalten wie den vorgestreckten Betrag, locken die Betrüger ihre Opfer in die Falle.

Doch der Bericht enthält noch ein weiteres verblüffendes Ergebnis: Ärzte, Architekten und Ingenieure lassen sich am leichtesten betrügen. Entgegen der Meinung, dass vor allem Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau auf die Masche hereinfallen, fand Ultrascan heraus, dass besonders Menschen mit akademischer Bildung den Betrügern auf den Leim gehen. Das wurde klar, als die 362 schwersten Betrugsfälle augewertet wurden, bei denen die Opfer mehr als 190.000 Euro verloren haben.

Multinationales Netz von E-Mail-Betrügern


Neben den Gebildeten schenken aber auch diejenigen den Betrugs-Mails Glauben, die in der letzten Zeit einen Schicksalsschlag in der Familie erleben mussten: 85 Prozent der Opfer verloren einen Elternteil durch Tod oder schmerzhafte Trennung. Die britische Times berichtete sogar von einem Mann, der seinen Vater mit zwälf Jahren durch einen Autounfall verlor und über 500.000 US-Dollar an die E-Mail-Betrüger zahlte. Über sieben Jahre schenkte er den Mails Glauben und Geld, obwohl er in dieser Zeit die Möglichkeit gehabt hätte, einen Doktortitel zu erwerben.

Zu den Betrogenen gehören nach Informationen der Times auch angesehene Unternehmer, Kommissare und 17 Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen. Besonders anfällig für die Betrugs-Spams seien Mediziner mit einem großen Selbstvertrauen, wenn ihnen vermittelt wird, dass sie etwas Gutes tun. Menschen aus den unteren Bildungsschichten ließen sich dagegen nur schwer verführen, weswegen sie mittlerweile nicht mehr zu der Zielgruppe der Betrüger gehören. Sie würden ihren eigenen Urteilen nicht trauen und bald feststellen, dass man ihnen eine Falle gestellt hat. Ein Grund dafür, dass diese Gruppe weniger auf die Angebote eingeht, dürfte jedoch auch darin zu suchen sein, dass sie im Gegensatz zu den Akademikern gar nicht über das nötige Geld verfügt.

Ultrascan spricht von 300.000 Betrügern weltweit, was eine Steigerung von drei Prozent gegenüber 2006 bedeutet. Obwohl die Firma von einer "schnell wachsenden multinationalen Industrie in 69 Ländern" ausgeht, sollen allein 250.000 Nigerianer an den Betrügereien beteiligt sein. Das ganze Ausmaß sei jedoch nicht bekannt. 95 Prozent der Lotterie- und 88 Prozent der Scheckbetrügereien sollen außerdem auf das nigerianische Netzwerk zurückzuführen sein. Allein in Deutschland betrug der Schaden für Firmen und Privatpersonen im vergangenen Jahr 280 Millionen US-Dollar, besonders anfällig seien die Menschen in Großbritannien und Spanien gewesen. Einzelfälle von Verlusten in Millionenhöhe seien nicht außergewöhnlich, so Ultrascan.
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